Mittwoch, 5. Juli 2006

Frau werden

Der Sommer entfaltet sich äußerst seltsam. Es ist so heiß, dass ich nicht schlafen kann und so habe ich mir schon viele Nächte um die Ohren gehauen. Gleichzeitig ess ich kaum noch was. Ich hab zwar manchmal Hunger oder Appetit, aber ich krieg nichts runter.

Ich bemühe mich wieder in Gleichklang zu kriegen, aber es ist so schwer im Moment. Ich habe es geschafft, ein wenig zu Arbeiten, ich schaffe es immer mal wieder aufzuräumen, aber ich bin nicht so, wie ich es gerne hätte.
Gestern habe ich mir die Haare wieder getönt. Irgendwas bräunlich-rotes - dunkel gefallle ich mir grundsätzlich besser, aber ideal ist die Farbe noch nicht.

Ich wander immer weiter von Martin fort und immer, wenn wir reden, ist er so vorsichtig und ezählt mir, wie toll ich sei und es ist einfach nur noch einengend. Ich fühle mich inzwischen fast, als hätte ich ihn betrogen. Als hätte ich etwas herbeigeführt, damit ich mich befreien kann - den ich fühle mich im Moment frei. Ich fühl michfast, als könnte ich jede Moment einfach abheben und weg sein. Ich glaube nicht, dass ich verschwinde, aber ich habe keine unsichtbaren Bänder, die mich halten.
Ich frage mich, ob es einfach daran liegt, dass ich mich mit aller Gewalt auf seine schlechten Eigenschaften konzentriert hab und deswegen jetzt soweit bin, oder ob ich mir sehr lange etwas vorgemacht habe und nicht so glücklich war, wie ich dachte, aber das erscheint mir fragwürdig.
Ich betrachte das Mädchen von damals anders, als mich heute. Ich bin noch die Gleiche und doch Jemand ganz anderes. Ich verhalte mich nicht viel anders, ich denke nicht anders und doch hat alles eine andere Qualität, Tiefe und Weite.
Es ist fast, als wäre ich leicht verschoben. Ein Schritt durch eien Türe, die sich geschlossen hat und ich kann nur noch nach vorne gehen.

Ich bin gleichzeitg schwächer und stärker. Ich weiß jetzt genau, dass ich alleine leben kann und es nicht nur ein überleben ist und trotzdem bin ich weniger... ich habe eine Instanz verloren, mit der ich mich immer abgesprochen habe, in all meinen Taten - aber im Moment schätze ich es, dass sie weggefallen ist.

Ich glaube, ich bin heute eine Frau. Und ich lebe mein Leben als solche, nicht mehr als Mädchen auf der Schwelle. Ich sehe in meinen gegenübern keine Jungen mehr, sondern Männer und meine Interessen und Meinungen haben etwas ernsthafteres, schärferes. Ich bin immer noch ich, immer noch albern und verspielt, immer noch süß und immer noch optimistisch-idealistisch, aber es hat auch ein leichter Anflug von Bitternis und Realismus einzugehalten... klingt das negativ? Ist es nicht. Bitter zu sein, ein wenig, ist nicht schlecht, es hat mehr Tiefe. Es verleiht den süssen Momenten mehr Glanz und das Wissen um Vergänglichkeit schenkt der Seele Melancholie, einen sanften Schmerz, der nur so viel weh tut, wie man es braucht, um inne zu halten und sich hinzugeben.

Ein anderer Aspekt sind natürlich die neuen Männer. Plötzlich kommen Dinge hinzu, an die ich nicht gedacht hätte und es erschreckt mich fast ein bisschen, schmeichelt mir und lässt meinen Puls sich beschleunigen. Ich entferne mich immer mehr vom Bild eines Helden, einem Prinz, zu einem Partner, neben dem ich auch alleine stehen kann, von dem ich keine Stütze brauche, sondern dem ich aufrecht entgegen treten kann. Ich verspreche mir im Moment keine Beziehung, aber gegen Nähe habe ich nichts einzuwenden.

Ich muss mich aber auf mich selber besinnen. Ich muss inne halten und mich nicht einfach von den Füßen reissen lassen, meine Entscheidungen betreffen jetzt nur noch mich, aber grade deswegen sollte ich genau wissen, was ich will und nur das tun, was ich mit mir vereinbaren kann.

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